Toro – hier kriegen Spezialisten einen eingeschenkt

Toro ist nur eine recht kleine Weinregion im Nordwesten Spaniens. Nur? Zwischen den Städten Zamora, Salamanca und Valladolid gelegen ist das Toro zwar flächenmäßig relativ klein, die Weine, die dort produziert werden, sind aber von hervorragender Qualität. Die überwiegenden Quantitäten entfallen auf Rotwein, aber auch die weißen Tropfen dürfen mindestens als „bemerkenswert“ eingestuft werden. Wer trotzdem noch nichts von ihnen gehört hat, ist entschuldigt: Die Mengen sind so gering, dass die Spanier kaum etwas davon hergeben. Für den deutschen Markt haben die Weißweine aus dem Toro deshalb so gut wie keine Bedeutung. Das ändert freilich nichts daran, dass sie hier bei Kennern heiß begehrt sind.

Heiß begehrt – und tatsächlich im guten Weinhandel auch erhältlich – sind auch die  Spitzenlagen der Rotweine aus dem Toro. Die dominierende Rebsorte dafür ist der „Tinto de Toro“, der in anderen iberischen Weinregionen als Tempranillo bekannt ist. In Toro reift er aber einige Wochen früher als anderswo heran und kann deshalb oft mit sehr viel mehr Kraft, Aroma und Frucht aufwarten. Früher galten die Roten Toros durchgängig als wuchtig, alkohollastig und plump. Seit Spanien zur Europäischen Union gehört und viel Geld in den Weinbau investiert worden ist, hat sich das fundamental geändert. Veraltete Keltermethoden wurden abgelegt und dem Geschmack einer neuen, jungen Generation von Weintrinkern Rechnung getragen. Der Toro verlor seine bullige Kraft, aber nur, um an Eleganz und Finesse hinzuzugewinnen. Inzwischen haben einige dieser hervorragenden Tropfen schon fast so etwas wie Kultstatus; die meisten sind dennoch bezahlbar geblieben.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, der sollte sich eine Reise in diese Ecke Spaniens gönnen. Der Ort Toro selbst zählt nur rund 10.000 Einwohner und liegt am Fluss Duero im Herzen der Region Kastilien-Léon. In diesem Landstrich mit seinen zahlreichen Burgen und Herrensitzen mangelt es nicht an Ausflugszielen. Und wenn dann nach einem heißen Tag die staubige Kehle durstig ist – nun, dann muss sie dort bestimmt nicht lange darben!

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