Geschmacksache – aus Liebe zum Wein

Von der einst unbeachteten Frucht zu abgefüllten Lieblingen.
Oder: Wie sensibilisiert man seine Sinne.

Jeder kennt sie, die Weinverköstiger, die den Wein schwenken, schnüffeln, schlürfen und oh je, ihn wieder ausspucken. Den Wein auf Zunge und Gaumen tanzen zu lassen, um ihn dann auszuspucken? Ich – im Leben nicht.

Zu Beginn meiner persönlichen Weinära hielt ich das für überkandideltes Getue. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Überzeugen konnte ich mich inzwischen hingegen, dass im Duft des Weines viel mehr liegt, als nur das halbe Vergnügen, sondern eine Hommage an Sinnlichkeit.

Hier ein paar Tipps, wie Sie der Wissenschaft, der Persönlichkeit und den schier unendlichen Facetten des Weins näher kommen. Näher kommen – denn ein einziges Leben wird nicht ausreichen, um ihn in seiner Komplexität „zu verstehen“ und genau das ist es, was den Zauber ausmacht.

„Seuffz – Mensch Jana, hör auf zu schwärmen sondern sag, was Du sagen willst!“

Also:

• Kaufen Sie sich ein schönes Buch mit einer Menge leerer Seiten, binden Sie es ein. Nein, nicht irgendwie, sondern mit der nötigen Aufmerksamkeit und dem Papier, der Hülle, der dem Inhalt gerecht wird – Ihrem Inhalt.
• Fangen Sie an zu trinken! (Herrje, wie sich das anhört) Suchen Sie sich einen Anfang.  Wie wäre es bei den Ländern? A – wie Argentinien oder Australien, über Chile, nach Deutschland, Italien, Spanien, Südafrika … Zuerst jedoch „nur“ die größten Weinländer.
• Notieren Sie in Ihr Buch: wann Sie was, wo und warum getrunken haben. Tun Sie es einfach, Sie werden von Eintrag zu Eintrag selber herausfinden, wie sehr Ihnen das hilft. Vermerken Sie, was Ihnen auffällt. Klauen Sie dafür kein Vokabular der großen Vorlagen, sondern wählen Sie Ihre eigenen Worte.
• Kosten Sie Weißweine, Rotwein, Rosé, Syrah, Bouvier, was auch immer. Schmeckt Ihnen einer besonders gut, probieren Sie den entsprechenden von einem anderen Winzer. Notieren Sie die Erkenntnisse.
• Fragen Sie anderen Löcher in den Bauch – machen Sie sich Notizen.
• Hören Sie sich um, gieren Sie nach Verköstigungsterminen.
• Nehmen Sie an Weinseminaren, Weinbergführungen und Kelterkursen teil.

Was Sie sich alles aufschreiben sollen, können, dürfen?
Wie roch der Wein direkt nach der Entkorkung?
Welche Nuancen und Eigenschaften wies der Wein beim Schwenken im Glas auf?
Wie roch er nach dem Schwenken?

Es gibt hier kein richtig und kein falsch. Die Aufzeichnungen dienen der Erinnerung und der Schulung Ihrer Sensibilität, der Entwicklung Ihres ganz eigenen und persönlichen Geschmack.

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Eine Antwort auf Geschmacksache – aus Liebe zum Wein

  1. Victoria sagt:

    Das ist wirklich ein sehr schöner Appell an die Entwicklung einer Sensibilität für Genuss. Habe ich so eigentlich noch nirgendwo gelesen. Die meisten ratgeber belehren einen ja direkt mit einem Haufen Fachvokabular und Kategorien. Aber einfach mal drauflos probieren und seine eigenen Gedanken in einem schönen Buch sammeln und sortieren ist sicherlich die wesentlich sinnlichere Art, dem Genuss auf die Spur zu kommen und das Abenteuer Wein für sich zu entdecken.

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